Sprint Guide - Policy Sprint Stromnetz

Wie kommen wir an ein sicheres, leistungsfähiges und effizientes Stromnetz, welches die Energiewende und die Versorgungssicherheit ermöglicht?

Auf dieser Seite findest du alle Informationen, die du für die Teilnahme am Policy Sprint benötigst.

Für Fragen stehen wir dir jederzeit per E-Mail zur Verfügung. Für dringende Mitteilungen am Tag des Workshop ist Josephine Herzig unter der Nummer +41 78 324 86 40 erreichbar.

Das Wichtigste in Kürze

Im Policy Sprint erarbeiten wir gemeinsam Massnahmen zur Anpassung der politischen Rahmenbedingungen für das Schweizer Stromnetz der Zukunft.

Datum: Mittwoch, 28. Januar 2026

Zeit: 13:30 - 17:00 (Einlass ab 13:00)

Ort: Welle 7, Schanzenstrasse 5, 3008 Bern (2’ Bhf Bern)

Teilnehmende: Liste

Tagesprogramm, 28. Januar 2026

13:00 Uhr

Türöffnung

13:30 Uhr

Begrüssung und Einführung

Was ist unser gemeinsames Ziel?

13:50 Uhr

Massnahmen: Übersicht und Entscheid

An welchen Massnahmen arbeiten wir weiter?

14:10 Uhr

Massnahmen schärfen und Umsetzung planen (I)

Wie können wir die Wirksamkeit steigern und die Umsetzung lancieren?

15:30 Uhr

Massnahmen schärfen und Umsetzung planen (II)

Wie können wir die Wirksamkeit steigern und die Umsetzung lancieren?

Präsentation von Massnahmen und Umsetzung

Wie haben wir die Massnahmen konkretisiert und wie erfolgt die Umsetzung?

15:15 Uhr

Pause

16:30 Uhr

17:00 Uhr

Tagesende und Apéro

15:15 Uhr

Pause

16:45 Uhr

Abschluss und nächste Schritte

Wie geht es weiter?

Wie kommen wir an ein sicheres, leistungsfähiges und effizientes Stromnetz, welches die Energiewende und die Versorgungs-sicherheit ermöglicht?

Mit dem Stromgesetz und den Beschleunigungsvorlagen sind wichtige Schritte zur Versorgungssicherheit und Energiewende aufgegleist. Gleichzeitig fehlen aktuell noch relevante Rahmenbedingungen, damit das Netz mit der veränderten Stromproduktion Schritt halten kann.

Ziel des Formats ist, dass die Teilnehmenden ein gemeinsames Verständnis und die Eckwerte für erfolgreiche Rahmenbedingungen für ein sicheres, effizientes und leistungsfähiges Stromnetz festlegen, welche im Anschluss durch konkrete Massnahmen umgesetzt werden können. Dabei sprechen wir primär über das Verteilnetz und nicht über das Übertragungsnetz.

Die folgende Dimensionen sind bei unserer Fragestellung zentral:

  • Dezentralisierung

    Ein zukunftsfähiges Stromnetz muss den Wandel von wenigen zentralen Erzeugern hin zu vielen, regional verteilten Energiequellen meistern. Dezentralisierung bedeutet, dass Strom aus unterschiedlichsten Quellen – von Solaranlagen auf Hausdächern bis zu Batteriespeichern in Quartieren – flexibel ins Netz integriert wird. Speichertechnologien spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie gleichen Schwankungen aus, mindern Lastspitzen und steigern die Resilienz. Klare Rahmenbedingungen, gezielte Anreize und das Zusammenspiel mit weiteren Flexibilitätsoptionen sorgen dafür, dass die verteilte Erzeugung die Versorgungssicherheit stärkt, statt das Netz zu überlasten.

  • Dekarbonisierung

    Der Ausbau bzw. der intelligente Betrieb des Stromnetzes ist zentral für das Erreichen der Klimaziele. Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien steigen auch die Anforderungen an die Netzinfrastruktur: Sie muss mehr Strom aus fluktuierenden Quellen transportieren, Engpässe vermeiden und Versorgungssicherheit garantieren. Dekarbonisierung heisst daher nicht nur, fossile Erzeugung zu ersetzen, sondern auch, das Netz durch vorausschauende Investitionen so auszubauen und zu steuern, dass es klimafreundliche Erzeugung effizient integriert. Innovative Finanzierungsmodelle und faire Kostenverteilung unterstützen diesen Umbau und verhindern, dass Klimaschutz auf Kosten der Akzeptanz geht.

  • Digitalisierung

    Ein intelligentes Stromnetz ist ohne digitale Technologien nicht denkbar. Echtzeit-Daten zu Erzeugung, Verbrauch und Netzbelastung bilden die Basis, um Prozesse zu automatisieren und das Netz dynamisch zu steuern. Digitale Lösungen ermöglichen Lastmanagement, Einspeisung und Verbrauchssteuerung in enger Vernetzung – und eröffnen damit Potenziale, die Effizienz zu steigern und Engpässe zu vermeiden. Dynamische Tarife und automatisierte Systeme setzen Anreize, Strom flexibel zu nutzen, und helfen, vorhandene Infrastruktur optimal auszulasten. Voraussetzung ist, dass digitale und physische Netzkomponenten Hand in Hand arbeiten.

  • Fokus: Verteilnetze

    Unser Workshop betrachtet gezielt das Verteilnetz – also den Teil der Strominfrastruktur, der Energie von regionalen Unterwerken bis zu Haushalten, Unternehmen und lokalen Erzeugern transportiert. Das Übertragungsnetz, das den grossräumigen Transport von Strom über lange Distanzen übernimmt und durch die swissgrid betrieben wird, steht nicht im Mittelpunkt.

  • Fokus: Netz

    Im Zentrum steht das Stromnetz als Rückgrat der Versorgungssicherheit, nicht die Energieproduktion selbst. Wir befassen uns mit Fragen des Netzausbaus, der Steuerung, Digitalisierung und Integration dezentraler Anlagen. Die Stromproduktion und der Strommix stehen nicht im Mittelpunkt.

Im ersten Workshop am 28. Oktober 2025 wurden in fünf Handlungsfeldern insgesamt 11 Massnahmen entwickelt. Zu jedem Handlungsfeld wurde eine konkrete Wie können Wir-Frage abgeleitet, welche die Basis für die Erarbeitung von politischen Massnahmen bildete. Die Handlungsfelder, die zugehörigen WKW-Fragen und die erarbeiteten Massnahmen sind hier zusammengefasst.

Die erarbeiteten Massnahmen

  • Frage:
    Wie können wir mithilfe von Daten und Steuersystemen die Netze optimieren?

    Erarbeitete Massnahme:

    Massnahme 1.1: Zielbild für Datenerhebung, -nutzung und -austausch

    Die relevanten Use-Cases wie Netzplanung, Balancing oder Eigenverbrauchsoptimierung werden beschrieben, einschliesslich  der notwendigen Verlaufs- und Stammdaten sowie der verwendeten Schnittstellen, Formate und Kommunikationswege. Es wird geprüft, welche Daten verfügbar sind, beschafft werden können und publiziert werden dürfen (Datenschutz vs. Open Data). Dabei werden Ownership, physischer und digitaler Layer sowie eine Stakeholder-Analyse zur Identifikation unterstützender und hinderlicher Akteure berücksichtigt.

  • Frage:
    Wie können wir die Erneuerbaren, Speicher und Verbraucher sinnvoll in das Netz integrieren?

    Erarbeitete Massnahmen:

    Massnahme 2.1: Nationale Plattform für lokale Flexibilität

    Aufbau einer nationalen Plattform für Flexibilität, wo alle Besitzer und Besitzerinnen von Speichern, PV-Anlagen etc. ihre Anlage lokal anbieten können. Verteilnetzbetreiber können über die Plattform lokal Flexibilität zur Netzentlastung einkaufen.

    Massnahme 2.2: Batterie als anrechenbare Netzwerkkomponenten zulassen

    Die bestehende Stromversorgungsverordnung wird angepasst, damit Batteriespeicher als anrechenbare Netzkomponenten gelten. Das bedeutet:

    • Netzbatterien als zentrales Element des nationalen Flexibilitätsmarkts, indem sie lokale Speicher- und Ausgleichsfunktion übernehmen.

    • Sie liefern zudem lokale Flexibilität, welche eine bessere Ausnutzung des bestehenden Netzes ermöglicht.

    • Netzbetreiber können Batteriespeicher in ihre Netzinvestitionen einrechnen, => Weniger Investitionen in Kupfer oder Transformatoren

    • Vorsehen, dass Verluste oder Gewinne auf die anrechenbaren Netzkosten aufgeteilt werden (=> Tendenziell eher Gewinne …)

    • Vor jedem physischen Netzausbau wird geprüft, ob eine Batterie als kosteneffizientere und flexiblere Alternative dienen kann

    • «Batterie vor Kupfer»-Prinzip.

  • Frage:

    Wie können wir netzdienliches, systemdienliches und marktdienliches Verhalten belohnen?

    Erarbeitete Massnahmen:

    Massnahme 3.1: Aktives Leistungsmanagement einfordern und vergüten

    In Anlehnung an die Konzepte FlexPV, Top40 & «BFH Modell»:

    Anpassung EnG Art. 15, evtl. nur StromVG

    Abnahme- und Vergütungspflicht wird aufgeweicht: Wenn der VNB die zu einspeisen gewünschte Energie nicht abnimmt (aus Gründen der Verhinderung des Netzausbaus) hat er 50% davon gemäss Mindestentschädigung zu entschädigen. Dies sind anrechenbare Netzkosten.

     Zur Klärung: Wenn ein PV-Anlagenbetreiber einspeisen möchte und dadurch einen Netzausbau nötig machen würde, kann der Netzbetreiber den Ausbau ablehnen und stattdessen eine Entschädigung bezahlen.

    Massnahme 3.2: Netzsimulationsstudie dynamische Netznutzungstarife

    Dank einer Netzsimulation sollen die zu erwartenden Effekte verschiedener Anreize abschätzbar werden. Die Studie könnte durch das Parlament beauftragt oder von den Verbänden initiiert werden. Zu klärende Fragen:

    • Was ist der Effekt verschiedener Anreize auf die lokale Netzleistung?

    • Gibt es eine Korrelation zwischen Markt- und Netzdienlichkeit? Sind marktdienliche und netzdienliche Anreize deckungsgleich? Reicht die Einführung von marktbasierten Anreizen?

    • Welche zusätzlichen Anreize sind nötig? Braucht es Anreize bei der Einspeisung?

    • Was wär der Effekt der vorgeschlagenen Massnahme «Anreize für Zubau und Anreize für Betrieb von PV-Anlagen entkoppeln»

    Massnahme 3.3: Anreize für Zubau PVA von Anreizen für Betrieb entkoppeln

    Der Zubau von Photovoltaikanlagen (PVA) wird gemäss den strategischen Zielen des Energiegesetzes (EnG) über Kapazitätsbeiträge im Rahmen der Einmalvergütung (EiV) gefördert. Der laufende Betrieb der Anlagen wird ausschliesslich über die Erlöse am Strommarkt, insbesondere über die Spotmarktpreise, vergütet. Die Ausrichtung der Einmalvergütung wird dabei an spezifische Bedingungen – etwa an Kriterien der Netzdienlichkeit oder weitere systemdienliche Anforderungen – geknüpft, um einen marktdienlichen und effizienten Betrieb sicherzustellen.

  • Frage:

    Wie können wir sicherstellen, dass die Netzinfrastruktur mit dem Ausbau der Erneuerbaren Schritt halten kann?

    Erarbeitete Massnahmen:

    Massnahme 4.1: Dynamische und intelligente Ziel-Verteilnetzplanung 

    In Anlehnung an die swissgrid Zielnetzplanung, soll eine bottom-up Planung der Verteilnetze erstellt werden, welche die Planungen auf Gemeinde-, Kanton- und nationaler Ebene sowie Unterschiede zwischen urbanen, agglomerierten und ländlichen Gebieten in Netzplanungen übersetzt. Die Zielnetzplanung soll von den Verteilnetzbetreibern selbst erstellt werden, unterstützt durch klare Vorgaben und Regeln auf Verordnungsebene. Intelligenz und Flexibilität, etwa durch Speicherlösungen, sowie die Integration von Wärmenetzen sollen damit frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Die Pläne sollen iterativ und in regelmässiger Kadenz überarbeitet werden, um den sich verändernden Bedingungen gerecht zu werden. Durch einen Wettbewerb der Ideen werden innovative Lösungen gefördert und die effizienteste Netzentwicklung sichergestellt. Voraussetzung dafür ist, dass der Bund klare Annahmen bezüglich Ausbau der Erneuerbaren, Speicher und Elektromobilität publiziert.

    Massnahme 4.2: Kampagne: “Ohne Netz kein Strom”

    Eine grossangelegte Kampagne, die möglichst viele Stakeholder einbindet – von Politik und Öffentlichkeit bis hin zu Schulen. Die Kampagne nutzt sowohl klassische Mittel wie Plakate als auch moderne Kanäle wie Videos und Social Media, um die wichtigsten Zusammenhänge und Abwägungen verständlich zu vermitteln. Dabei wird der Schwung aus dem Policy Sprint aufgegriffen und aktiv mit den teilnehmenden Akteuren weitergearbeitet, um Bewusstsein, Akzeptanz und Engagement für die Energiewende nachhaltig zu stärken.

  • Frage:
    Wie können wir die Finanzierung und Tragbarkeit künftiger Investitionen sichern?

    Erarbeitete Massnahmen:

    Massnahme 5.1: Sicherstellung der Investition für Netzverstärkungen für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende

    Netzausbau resp. Netzverstärkungen treten hauptsächlich in ländlichen Verteilnetzen auf. Viele grosse Dächer sind auf dem Land. Die Normkosten für Netzverstärkungen sollen durch den Steuerzahler (Bund) finanziert werden. Dafür muss die Netzausschluss-Pflicht geklärt und die Formel für aktuelle Pauschale für Netzverstärkung intelligent geändert werden.

    Massnahme 5.2: Public Private Partnership zur Finanzierung der Verteilnetze

    Mit dieser Massnahme sollen Gefässe geschaffen werden, die Kapitalflüsse in die Netzinfrastruktur durch die Verteilnetzbetreiber ermöglichen und gleichzeitig die Skalierung von Investitionen für institutionelle Investoren wie Pensionskassen erleichtern. Optional könnten Bund, Kantone und Gemeinden in diese Strukturen eingebunden werden, um die Finanzierung weiter abzustützen und die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren zu stärken. So wird sichergestellt, dass notwendige Investitionen in den Netzausbau verlässlich, nachhaltig und breit getragen erfolgen.

    Massnahme 5.3: Interaktiver Kostenplaner für mehr Transparenz

    Mit der Massnahme soll die Kostenverteilung im gesamten Stromsystem systematisch erhoben und transparent gemacht werden. Dabei sollen sämtliche Kosten- und Finanzflüsse sichtbar gemacht und bestehende Zielkonflikte zwischen verschiedenen Akteuren aufgezeigt werden. Auf dieser Basis können fundierte Lösungen für die Netzkostentragung und -verteilung erarbeitet werden.

Nächste Schritte

Nach dem Umsetzungsworkshop werden die überarbeiteten und konsolidierten Sofortmassnahmen gemeinsam mit den teilnehmenden Parlamentsmitgliedern und Expedition Zukunft finalisiert. Anschliessend wird die Einreichung koordiniert und die Vorstösse ins Parlament eingebracht, womit der politische Prozess beginnt.

Der Policy Sprint im Überblick

Der Policy Sprint ist eine Reihe an Workshops, die Parlamentarier, Parlamentarierinnen und Key Stakeholder rund um eine Herausforderung zusammenbringt, um ein Set von griffigen und mehrheitsfähigen Lösungen zu entwickeln sowie die dafür notwendigen Anpassungen der politischen Rahmenbedingungen zu definieren. Diese können zum Beispiel in Form von Vorstösse ins parlamentarischen Prozess eingebracht werden.

Mehr erfahren? Dann entdecke die Journey unseres Policy Sprints zum Thema KI und Nachhaltigkeit.

FAQ

  • Die Liste aller eingeladenen Teilnehmer:innen kannst du hier finden. Sie wird laufend ergänzt und aktualisiert.

  • Vor dem Policy Sprint ist keine spezifische Vorbereitung notwendig. Bring einfach deine Expertise und Schwerpunktthemen mit. Mehr dazu wirst du im persönlichen Briefing erfahren.

  • Für den gesamten Policy Sprint empfehlen wir als Dresscode Business Casual.

  • Der Policy Sprint ist nur für geladene Gäste. Es handelt sich nicht um einen öffentlichen Anlass und es werden keine Medienschaffenden anwesend sein. Während des Anlasses gelten die Chatham House Rules. Das Thema des Policy Sprints, die finale Liste der Teilnehmer:innen und das Ergebnis des Workshop-Tags werden dann aber öffentlich sein. Wir werden auch auf unseren Social-Media Kanälen laufend über den Policy Sprint berichten. Die Teilnehmer:innen werden im Voraus gefragt, ob wir sie fotografieren dürfen.

  • Der Policy Sprint wird vom Team von Expedition Zukunft sowie einigen externen Facilitators moderiert. Zur Moderation des Prozesses verwenden wir Methoden der sozialen Innovation, die sich bereits in internationalen Organisationen und der Wirtschaft bewährt haben. Dazu gehören zum Beispiel die gouvernementale Lernspirale oder Ansätze aus dem Design Thinking.

  • Der Policy Sprint Stromnetz wird im Auftrag des VSE durchgeführt und finanziert. Die Teilnahme am Policy Sprint ist daher kostenlos.

  • Die Fragestellung wurde im Austausch mit dem VSE sowie externen Expert:innen erarbeitet.

  • Am Policy Sprint können nur geladene Gäste teilnehmen. Die Liste der Teilnehmenden wird laufend im Austausch mit Parlamentariern, Wissenschaftlern sowie Vertretern aus Verwaltung, Stromwirtschaft und Wissenschaft ergänzt. Ziel ist es, dass mit ca. 30 Teilnehmenden möglichst alle relevanten Perspektiven zum Thema Stromnetz vertreten sind.